Arbeit und Beschäftigung

Die Begriffe Arbeit und Beschäftigung werden im umgangssprachlichen Bereich oft synonym verwendet. Juristisch betrachtet gibt es jedoch Unterschiede. Beschäftigung im Sinne des deutschen Sozialversicherungsgesetzes sind nur jene Tätigkeiten, die auf nicht selbstständiger Basis ausgeführt werden. Diese Tätigkeiten sind weisungsgebunden. Aber auch in Unternehmen gibt es Unterschiede zwischen Arbeit und Beschäftigung. In der Betriebswirtschaft wird Beschäftigung als Ausnutzung der Kapazität bezeichnet. Die Beschäftigung kann input- oder output-orientiert sein. Ferner definiert auch die Volkswirtschaft Beschäftigung anders.

Kerntätigkeiten als Arbeit

Arbeit gilt in Unternehmen nur als solche, wenn sie zweckdienlich ist und der Produktivität dient. In Unternehmen verbringen Mitarbeiter meist nur rund die Hälfte ihrer Arbeitszeit damit, effektive Arbeiten zu verrichten. Der Rest wird mit Beschäftigungen erledigt. Das gilt vor allem für den Bürobereich. Dort verbringen Mitarbeiter fast die Hälfte ihrer Zeit mit administrativen Tätigkeiten. Nur etwa 45 Prozent entfallen auf Arbeiten, die das Unternehmenswachstum fördern.

Mittlerweile gibt es im Zuge der Digitalisierung Programme, die diese Beschäftigungen übernehmen. Der Computer nimmt den Menschen Arbeit ab, die nicht zur Produktivitätssteigerung dient. Während die Mitarbeiter dadurch von der Beschäftigung befreit werden, können sie sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren.

Beschäftigung in der Volkswirtschaft

In der Volkswirtschaft ist die Beschäftigung der tatsächliche Einsatz der Arbeit als Produktionsfaktor in einer bestimmten Periode. Daraus errechnet sich das Arbeitsvolumen, das als Berechnungsgrundlage für das Bruttoinlandsprodukt oder BIP gilt. In der Wirtschaftspolitik wird die Beschäftigung auch als Maßgröße herangezogen. So gilt die Vollbeschäftigung in einer Bevölkerung als eines der fünf Ziele im volkswirtschaftlichen Gleichgewicht. Unter der Vollbeschäftigung versteht man jenen wünschenswerten Zustand, in dem alle Produktionsfaktoren voll ausgelastet sind. Das gilt sowohl für den Faktor Arbeit als auch für die technische Auslastung von eingesetzten Maschinen.

Arbeit im sozialen Kontext

Arbeit spielt nicht nur in der Volkswirtschaft eine Rolle, sondern sie ist auch ein Teil unseres gesellschaftlichen Lebens. Arbeit definiert Menschen und weist ihnen zuweilen auch einen bestimmten gesellschaftlichen Status zu.

Der Wandel der Arbeit

Die Bedeutung der Arbeit hat sich in den letzten Jahrhunderten ebenfalls stark verändert. Früher arbeitete man, um zu leben oder zu überleben. In der heutigen Zeit ist Arbeit jedoch viel mehr als eine Existenzgrundlage. Arbeit bedeutet auch Selbstverwirklichung. Sie verleiht der menschlichen Persönlichkeit eine ganz besondere Bedeutung. Arbeit kann jedoch auch zu Konflikten führen, wie es heute oft der Fall ist. Der größte Konflikt ist dabei jener zwischen Arbeitswelt und Familie. Beides sollte, wie es oft heißt, unter einen Hut gebracht werden. Doch die Anforderungen an die Arbeit werden heute immer größer. Zwar wird die Arbeit nicht mehr, doch die damit verbundenen Anstrengungen steigen. Das gilt vor allem für die Bildung. Arbeit kann als Existenzsicherung nur dann sinnvoll ausgeführt werden, wenn das Bildungsniveau passt. Ohne Bildung bleibt vielen Menschen der Weg in die moderne Erwerbsgesellschaft vielfach verwehrt. Arbeit beherbergt deshalb auch ein enormes Konfliktpotenzial.

Arbeit für Männer und Frauen

Auch der Unterschied zwischen der Arbeit von Frauen und der von Männern hat sich verändert. Frauen verrichten heute in vielen Fällen die gleiche Tätigkeit wie Männer, werden aber dafür schlechter bezahlt. Dieser Konflikt wurde mittlerweile Gegenstand politischer Forderungen. Arbeit ist für Frauen gleich wichtig wie für Männer. Früher war es der Mann, der einer Erwerbsarbeit nachging und mit seinem daraus erzielten Einkommen die gesamte Familie ernährte. Frauen wurden zu Haushaltshilfen und zu Kindererzieherinnen. Durch den Strukturwandel in der Gesellschaft hat sich das Bild der Frau jedoch ebenfalls gewandelt. Dazu kommt noch, dass es in vielen Familien nicht reicht, wenn nur eine Person Geld verdient.

Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung – geschlechterabhängig?

Während die meisten Männer heute einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, bleiben Frauen vielfach in Teilzeitjobs oder geringfügigen Beschäftigungen hängen. Eine volle Erwerbstätigkeit erfordert, dass Beruf und Familie miteinander im Einklang stehen müssen. Beides braucht Zeit. Darin liegt der Kern vieler Probleme. Durch wachsende Anforderungen in der Arbeit ist es nicht mehr möglich, nur nach Vorschrift zu arbeiten. Überstunden sind in vielen Vollzeitjobs das tägliche Brot. Darunter leidet jedoch der Faktor Familie.

Arbeit dient heute in der Volkswirtschaft nach wie vor der Erzielung eines Einkommens. Sie bildet eine Lebensgrundlage. Dennoch reicht die Bedeutung der Arbeit weit über diese Grenzen hinaus.

Was ist Arbeit?

Wenn man sich mit einem Begriff auseinandersetzen will, steht am Anfang dieses Prozesses meist eine Begriffsdefinition. Arbeit zu definieren, ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. Arbeit ist ein Bestandteil unseres Lebens. Seit es Menschen und Zivilisationen gibt, gibt es auch Arbeit. Doch was versteht man unter diesem Begriff eigentlich?

Definition von Arbeit

Betrachtet man den Begriff Arbeit aus allgemeiner Sicht, beschreibt dieser eine Tätigkeit, die meist mit Anstrengungen verbunden ist. Diese Anstrengungen können sowohl körperlicher als auch geistiger Natur sein. Aus volkswirtschaftlicher Sicht stellt Arbeit einen Produktionsfaktor dar. Dieser ist für die Individuen mit der Erzielung eines Einkommens verbunden. Arbeit, die nicht mit einer Bezahlung verknüpft ist, gehört in der Volkswirtschaft nicht dazu. Arbeit ist jedoch ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens. Schon seit Beginn der Menschheitsgeschichte war der Mensch gezwungen, Arbeit zu verrichten. Er tat dies im Rahmen der Jagd oder später als Ackerbauer oder Viehzüchter. Anfangs wurde die Arbeit ausschließlich manuell verrichtet. Im Lauf der Zeit entwickelte der Mensch Werkzeuge und später auch Maschinen. Diese halfen ihm bei der Verrichtung der Arbeit.

Die Entwicklung der Arbeit

Im Mittelalter erfuhr die Arbeit durch einzelne Berufe und Berufsstände eine neue Bedeutung. Arbeit wurde als Mittel zum Zweck der Einkommenserzielung betrachtet. Es bildeten sich verschiedene Berufe heraus, die sich auf eine bestimmte Arbeit konzentrierten. Handwerksberufe wie Bäcker oder Schmied wurden in Zünften kategorisiert und Kaufleute bildeten eigene Gilden. Damit wurde die Arbeit zunehmend einer Organisationsstruktur unterworfen.

Durch das Prinzip der Arbeitsteilung wurde die Arbeit effizienter gemacht. In den Manufakturen des 17. Jahrhunderts arbeiteten die Menschen an bestimmten Arbeitsschritten zur Fertigung eines Endprodukts. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts und mit der Einführung des mechanischen Webstuhls und der Dampfmaschine änderte sich die Arbeit erneut. Durch die Industrialisierung wurden handwerkliche Arbeiten von Maschinen übernommen. Dadurch wurde die Produktion enorm gesteigert.

Als Henry Ford in den USA die Fließbandfertigung ins Leben rief, gab es einen erneuten Produktivitätssprung. Der Mensch war ein Teil der Fließbandfertigung. Er führte jedoch nur noch einzelne spezielle Handgriffe aus. Durch die technischen Errungenschaften wurde die Arbeit in zunehmendem Maß rationalisiert. Menschen übernahmen bei der Fertigung nur noch überwachende und steuernde Tätigkeiten.

In weiterer Folge verstärkten sich diese Effekte durch die dritte und vierte industrielle Revolution. Bereits in den 1970er-Jahren wurden viele Arbeiten automatisiert und technisiert. Maschinen verdrängten den Menschen immer mehr aus dem Produktionsprozess. In der heutigen vierten industriellen Revolution, die durch die Digitalisierung bestimmt wird, verschwinden sogar ganze Berufe. Die menschliche Arbeit verlagert sich mehr in den geistigen Bereich. Das betrifft zumindest jene Arbeiten, die durch Maschinen oder die künstliche Intelligenz getätigt werden können. Berufe im sozialen oder künstlerischen Bereich werden auch in Zukunft kaum von Maschinen oder der künstlichen Intelligenz ersetzt werden können.